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22. Juni 20265 min

Klausur zurück, Note drauf, und dann?

Wie LexDuvia entstanden ist und warum uns das Feedback-Problem im Jurastudium nicht mehr losgelassen hat.

Wer Jura studiert, kennt das Ritual.

Die Klausur ist geschrieben, die Wochen des Wartens sind vorbei, die Korrektur liegt vor dir. Am Ende steht eine Zahl. Vielleicht finden sich am Rand noch einige Anmerkungen in roter Tinte: „Subsumtion fehlt", „Obersatz ungenau", „Nicht geprüft".

Und das war es dann.

Du weißt jetzt, dass etwas nicht gestimmt hat. Aber du weißt nicht wirklich, warum. Vor allem weißt du nicht, wie du beim nächsten Mal auf die richtige Lösung kommen sollst.

Genau aus diesem Problem heraus ist LexDuvia entstanden.

Die Beobachtung, die alles ausgelöst hat

Irgendwann während meines Studiums wurde mir klar, dass die Lösung nicht einfach darin besteht, mehr zu lernen.

Ob ich fünf Gutachten schreibe oder fünfzig, macht kaum einen Unterschied, wenn ich dabei immer wieder dieselben Fehler mache, ohne sie selbst zu erkennen. Und genau das passiert vielen Studierenden. Man investiert Zeit, arbeitet Fälle durch, schreibt Klausuren und wiederholt dabei dieselben Denkfehler, dieselben Schwächen in der Subsumtion oder dieselben Unsicherheiten in der Struktur.

Das eigentliche Problem ist nicht fehlender Fleiß, sondern fehlendes Feedback.

Natürlich erhalten Studierende Korrekturen. Doch die Rahmenbedingungen machen eine wirklich individuelle Analyse oft unmöglich. Die Menschen, die Klausuren korrigieren, studieren häufig selbst noch und bearbeiten eine große Anzahl von Arbeiten unter erheblichem Zeitdruck. Für jede zusätzliche Minute sinkt der effektive Stundenlohn.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Jede Klausur wird von einer anderen Person korrigiert. Diese Person kennt die vorherigen Arbeiten des Studierenden nicht. Selbst wenn sie sich unbegrenzt Zeit nehmen könnte, würde ihr der Vergleich fehlen.

Sie kann nicht erkennen, dass jemand seit Monaten immer wieder denselben Fehler macht. Sie kann nicht sagen: „Darauf solltest du besonders achten, das begegnet dir regelmäßig."

Ob jemand Schwierigkeiten mit der Anspruchsprüfung im BGB hat, bei der Subsumtion regelmäßig an Präzision verliert oder Normen zwar erkennt, aber nicht sauber anwendet, lässt sich aus einer einzelnen Klausur kaum ableiten.

Dafür braucht es etwas, das mehrere Arbeiten gleichzeitig betrachtet und Muster erkennt.

Was das für das Staatsexamen bedeutet

Das erste juristische Staatsexamen besteht man nicht allein durch das Auswendiglernen von Definitionen und Schemata.

Natürlich ist Wissen wichtig. Doch spätestens im höheren Notenbereich entscheidet nicht mehr allein, was jemand weiß, sondern wie dieses Wissen angewendet wird.

Prüferinnen und Prüfer lesen täglich zahlreiche Gutachten. Sie erkennen, ob jemand strukturell denkt oder lediglich bekannte Formulierungen reproduziert. Sie bemerken, wenn eine Subsumtion nicht überzeugt, weil das zugrunde liegende Tatbestandsmerkmal nicht wirklich verstanden wurde.

Der Unterschied zwischen einem „ausreichend" und einem „vollbefriedigend" liegt häufig nicht im Wissensstand, sondern in der Qualität der juristischen Argumentation.

Genau dort fehlt vielen Studierenden systematisches Feedback.

An Lernmaterialien mangelt es nicht. Es gibt Lehrbücher, Repetitorien, Karteikarten, Schemata und unzählige Falllösungen. Was bislang fehlte, war eine Möglichkeit, die eigene Entwicklung über viele Klausuren hinweg zu analysieren und daraus ein individuelles Kompetenzprofil abzuleiten.

Eine Plattform, die sämtliche Gutachten eines Studierenden über das gesamte Studium hinweg betrachtet, analysiert und daraus wiederkehrende Muster, Stärken, Schwächen und Fortschritte ableitet, gab es bislang nicht.

Wie LexDuvia entstanden ist

LexDuvia habe ich, Tijan Eichner, gemeinsam mit Philipp Schlingemann und Angelina Ott gegründet.

Philipp verantwortet Architektur und Backend-Entwicklung, Angelina Design und Frontend. Ich selbst bin Geschäftsführer und bringe vor allem die Perspektive der Zielgruppe ein.

Unser Team arbeitet zwischen Hildesheim und Hannover. Die Grundidee war von Anfang an klar: Wir wollten keine weitere Lernkartei entwickeln und kein weiteres Tool zur Wissensabfrage.

Uns interessierte der Moment nach der Klausur. Der Moment, in dem ein Gutachten bereits geschrieben wurde und die eigentliche Frage beginnt: Warum war dieses Gutachten gut oder schlecht? Welche Fehler stecken dahinter? Welche Muster wiederholen sich?

Mit Unterstützung des NBank-Gründungsstipendiums konnten wir diese Idee ernsthaft verfolgen und das Produkt entwickeln, ohne unmittelbar wirtschaftlichem Druck ausgesetzt zu sein. Diese Zeit haben wir genutzt, um unser Analysesystem zu modellieren, erste Prototypen zu entwickeln und reale Klausuren auszuwerten.

Was LexDuvia tatsächlich macht

LexDuvia analysiert juristische Gutachten.

Wer eine Klausur hochlädt, erhält keine einfache Bewertung im Stil eines Lehrers, sondern eine strukturierte Analyse entlang zahlreicher Kriterien, orientiert an den Maßstäben echter Klausurkorrekturen.

Dabei geht es nicht nur darum festzustellen, ob etwas richtig oder falsch ist. Entscheidend ist die Frage, warum Fehler entstehen und welche Muster sich dahinter verbergen.

Aus mehreren Einsendungen entwickelt die Plattform schrittweise ein individuelles Kompetenzprofil. Dieses Profil zeigt nicht nur, was in einer einzelnen Klausur schiefgelaufen ist, sondern macht sichtbar, wo systematische Schwierigkeiten bestehen und wie sich diese im Laufe der Zeit verändern.

Genau darin liegt der entscheidende Unterschied: Nicht der einzelne Moment ist relevant, sondern das Muster dahinter.

Wo wir gerade stehen

Mittlerweile deckt LexDuvia alle relevanten Rechtsgebiete ab.

Aktuell testen wir unsere Infrastruktur mit echten Nutzerinnen und Nutzern, sprechen mit Fachschaften und Professorinnen und Professoren und suchen Studierende, die das System im laufenden Semester intensiv ausprobieren möchten.

Uns interessieren dabei nicht einzelne Testläufe, sondern echte Lernverläufe über mehrere Klausuren hinweg. Deshalb suchen wir Menschen, die bereit sind, LexDuvia über einen längeren Zeitraum zu nutzen und uns offen mitzuteilen, was funktioniert, was nicht funktioniert und welche Funktionen ihnen tatsächlich helfen.

Was LexDuvia langfristig sein soll

Die Analyse einzelner Gutachten ist für uns nur der Anfang.

Die spannendere Frage lautet: Was passiert, wenn man die Entwicklung eines Studierenden über das gesamte Studium hinweg dokumentieren kann?

Stell dir vor, du könntest am Ende deines Studiums nicht nur eine Examensnote vorweisen, sondern auch nachvollziehbar zeigen, wie du dorthin gekommen bist. Welche Schwächen du am Anfang hattest. Welche Fehler sich regelmäßig wiederholt haben. Welche Fortschritte du gemacht hast. Welche Kompetenzen du dir Schritt für Schritt erarbeitet hast.

Eine solche Entwicklung sagt oft mehr über eine Person aus als eine einzelne Zahl. Sie zeigt Selbstreflexion. Lernfähigkeit. Beharrlichkeit. Die Bereitschaft, eigene Fehler zu erkennen und an ihnen zu arbeiten.

Genau diese Eigenschaften suchen Kanzleien und Unternehmen — und gleichzeitig lassen sie sich heute kaum belegen.

Langfristig soll LexDuvia deshalb mehr sein als ein Analysewerkzeug. Wir möchten einen Weg schaffen, individuelle Lernentwicklung sichtbar und nachvollziehbar zu machen.

Ob daraus später ein Zertifikat entsteht, ein Kompetenzprofil für Bewerbungen oder etwas völlig anderes, wissen wir heute noch nicht. Die Richtung ist jedoch klar.

Die Note zeigt, was du am Ende kannst. LexDuvia soll zeigen, wie du dorthin gekommen bist.


Du möchtest LexDuvia ausprobieren oder uns Feedback geben? Dann melde dich bei uns.

Geschrieben von

Tijan Eichner

Das Team hinter LexDuvia – der KI-Feedback-Plattform für deine juristischen Gutachten.